Eine stilistische Neuerfindung zwischen Tradition und Avantgarde
Wie die Designerin Kim Schimpfle die historische Tracht aus der folkloristischen Starre befreite und in ein Fashion-Statement verwandelte.
Es ist eine ästhetische Evolution, die vor rund drei Jahrzehnten ihren Anfang nahm und heute aus der deutschen Modelandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Die Geschichte von Kim Schimpfle und ihrem Label Schwarzwald Couture ist der Beweis dafür, dass wahre Innovation oft dort entsteht, wo tiefe Verwurzelung auf unkonventionellen Pioniergeist trifft.
Ihre kreative Prägung verdankt Kim Schimpfle ihren familiären Wurzeln in einer Künstlerfamilie. Ursprünglich auf dem Weg in das Grafikdesign, war es ihr außergewöhnliches textiles Talent, das ihren Lebensweg neu justieren sollte. Als Autodidaktin gewann sie gleich zweimal in Folge einen renommierten Burda-Nähwettbewerb – der Startschuss für den mutigen Schritt in die Modebranche. Unter ihrem damaligen Label Courage experimentierte die Designerin in den Anfangsjahren mit internationalen Einflüssen: Ethno-Looks, Punk-Elemente und die puristische Formensprache des japanischen Designs flossen in ihre Entwürfe ein. In dieser intensiven Phase unzähliger Fashionshows, Kunstprojekte und privater Kundenaufträge formte sich jene unverkennbare, ausdrucksstarke Handschrift, die später ihr Markenzeichen werden sollte.
Die Geburtsstunde einer modischen Revolution
Das Jahr 2010 markierte den entscheidenden Wendepunkt. Inspiriert durch den speziellen Wunsch einer Kundin und den damaligen Zeitgeist der Kunstszene, der heimatliche Motive in einen neuen, modernen Kontext setzte, entdeckte Kim Schimpfle die historische Schwarzwald-Tracht als ihr zentrales Medium. Die Vision hinter dem neu gegründeten Label Schwarzwald Couture war ebenso klar wie kühn: Die Tracht sollte aus der verstaubten Postkartenidylle befreit und für die selbstbewusste, moderne Frau von heute tragbar gemacht werden.
Mit feinem modischen Gespür dekonstruierte Schimpfle die Tradition. Sie kombinierte die vorteilhafte, feminine Silhouette des bayerischen Dirndls mit der charakteristischen Ikonografie des Schwarzwaldes und injizierte dem Ganzen eine subtile, provokante Punk-Attitüde. Ein früher Meilenstein dieser neuen Ära war die extravagante Serie „BLACK FOREST IS CALLING“, die in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Florian Richter entstand. Die innovativen Fotodrucke brachten einen beispiellosen, frischen Wind in die bis dato sehr konservative Trachtenwelt.
Vom Freiburger Atelier auf das internationale Parkett
Was folgte, war die rasante Etablierung im Premium-Segment. Bereits 2011 eröffnete Schwarzwald Couture mit einer aufsehenerregenden Show das Finale der „Miss Germany“-Wahl im Europa-Park. Die handgefertigten Unikate zogen bald auch internationale Blicke auf sich – ein fulminanter Höhepunkt war die Ausstattung eines nominierten Ehepaares für die Grammy-Verleihung in Paris.
Auch die Medienwelt wurde schnell auf die Freiburger Mode-Revolutionärin aufmerksam. Ein breites Spektrum an TV-Formaten von ARD und SWR, prominenten Abendshows sowie Auftritte bei Fernsehlegenden wie Frank Elstner begleiteten ihren Werdegang. Renommierte Publikationen widmeten den Kreationen ausführliche Strecken: Neben Kultur- und Nachrichtenmagazinen wie dem Stern und Geo feierten Hochglanz-, Lifestyle- und Fachmagazine – darunter Brigitte, das Porsche Magazin, MAX, #heimat und Mein Schwarzwald – die neue modische Übersetzung der Heimat. Die Zeitschrift Bunte zeichnete das Label gar mit dem Stern der „Top 100 Hot Spots“ aus.
Couture als kulturelles Erbe
Schwarzwald Couture strahlt längst weit über den reinen Fashion-Kontext hinaus. Neben glänzenden Präsenzen bei Events wie den Freiburg Fashion Days oder Kooperationen mit der Modeschule Pforzheim, hat das Label den Sprung in die etablierte Kunst- und Kulturwelt geschafft. In einer vielbeachteten Ausstellung im Freiburger Augustinermuseum traten Schimpfles moderne Couture-Dirndl in einen faszinierenden Dialog mit historischen Originaltrachten. Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe präsentierte ihre textilen Kunstwerke, während das Landesmuseum Stuttgart eine ihrer Kreationen als wichtiges Zeitzeugnis moderner Designgeschichte für seine permanente Trachtensammlung erwarb.
Heute empfängt Kim Schimpfle in ihrem liebevoll geführten Atelier in der Freiburger Hildastraße eine anspruchsvolle Klientel, die aus der ganzen Welt anreist. Was einst mit der Vision einer Autodidaktin begann, ist heute ein manifestiertes modisches Statement: Schwarzwald Couture ist die einzigartige, textile Verschmelzung aus historischer Schwarzwälder Tradition, kompromisslos detailverliebter Handwerkskunst und moderner Extravaganz.

